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Maritime Fachsprache im antiken Athen: Vortrag auf der SVAL-Tagung in Cambridge

Mit einem dezidiert maritimen Vortrag war unsere aktuelle Jeanne Baret-Stipendiatin Dr. Eleonora Selvi auf der internationalen Tagung SVAL. Sociolinguistic Variation in Ancient Languages (26.–28. März 2026) in Cambridge vertreten. In ihrem Beitrag “The technical language of Athens’ Naval Inventories: inside the Piraeus’ community of practice” untersuchte sie die Fachsprache der athenischen Flotteninventare aus dem Piräus (5.–4. Jh. v. Chr.) und deren Einbettung in die soziale Praxis maritimer Akteure. Im Zentrum stand die Frage, wie sich diese spezialisierte Terminologie innerhalb einer „community of practice“ herausbildete und als gemeinsames sprachliches Repertoire etablierte. Anhand epigraphischer Quellen zeigte der Vortrag, wie diese Fachsprache nicht nur in administrativen Kontexten der Flottenorganisation Verwendung fand, sondern auch darüber hinaus – etwa in politischen Reden – gezielt eingesetzt wurde, um Zugehörigkeit, Expertise und Autorität zu markieren.

Die Tagung wurde von Dalia Pratali Maffei (Ghent University) und Sólveig Hilmarsdóttir (University of Cambridge) organisiert und durch das Jesus College Cambridge sowie die Faculty of Classics Cambridge unterstützt. Im Fokus der Konferenz standen Fragen sprachlicher Variation und Register in antiken Sprachen, die aus der Perspektive der Third Wave Sociolinguistics diskutiert wurden. Die Veranstaltung bot einen anregenden Rahmen für den internationalen und interdisziplinären Austausch und verdeutlichte eindrucksvoll das Potenzial soziolinguistischer Ansätze für die (maritime) Altertumswissenschaften.

Briefe einer Weltumseglerin von 1817: Aufsatzspublikation zu Rose de Freycinet (1794–1832)

Jüngst ist die erste Publikation unserer aktuellen Jeanne-Baret-Stipendiatin Cassandra Dostert erschienen. Der Aufsatz entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Isabelle Laboulais (Université de Strasbourg) und wurde in den Annales Historiques de la Révolution française veröffentlicht.

Der 22-seitige Beitrag präsentiert eine kritische Ausgabe von drei bislang unveröffentlichten Briefen, die Rose de Freycinet (1794–1832) zu Beginn ihrer Weltumsegelung an Bord der Uranie (1817–1820) verfasste. Den kommentierten Transkriptionen geht eine Analyse der Handlungen von Rose de Freycinet voraus.

Indem sie in Männerkleidung an Bord der von ihrem Ehemann kommandierten Korvette ging, brach die junge Frau mit den geltenden Geschlechternormen. Die hier vorgestellte Fallstudie beleuchtet, wie sich ihre Einschiffung – die Cross-Dressing, Konformismus und normative Zuschreibungen miteinander verband – trotz des äußeren Anscheins innerhalb der Prinzipien bewegte und mit jenen Regeln ausgehandelt wurde, die die Welt der Marineoffiziere im frühen 19. Jahrhundert prägten.

Der Beitrag verbindet damit eine quellenkritische Edition bislang unbekannter Dokumente mit einer Analyse von Geschlechterrollen und sozialen Praktiken im Kontext maritimer Mobilität.

Cassandra Dostert & Isabelle Laboulais, „S’embarquer ou mettre à l’épreuve le genre de la mer. Le cas de Rose de Freycinet en 1817“, in: Annales Historiques de la Révolution française (03.03.2026).

TRANSMARE-Mitglied Christophe Schoetter erhält Nauticus-Preis

Unser TRANSMARE-Mitglied und Doktorand Christophe Schoetter ist mit dem erstmals vergebenen Nauticus-Preis des Lions Club Trier ausgezeichnet worden. Der mit 1.000 € dotierte Preis würdigt herausragende Abschlussarbeiten im Bereich der maritimen Forschung und unterstreicht die Bedeutung dieses Forschungsschwerpunkts am Standort Trier.

Ausgezeichnet wurde Christophe Schoetter für seine Masterarbeit zur maritimen Außenpolitik von Ptolemaios I. Darin nimmt er eine grundlegende Neubewertung des frühen hellenistischen Herrschers vor: Entgegen der bisherigen Forschung, die ihn häufig als defensiv und isolationistisch charakterisierte, zeigt die Arbeit, dass dieser eine gezielte und expansive Seemachtspolitik verfolgte. Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis maritimer Strategien in der Antike und der politischen Neuordnung nach dem Tod von Alexander dem Großen.

Die feierliche Preisverleihung mitsamt Kurzvortrag fand am 17. März 2026 statt und wurde durch den Vizepräsidenten des Lions Club Trier, Elmar Blasius, vorgenommen.

Neuerscheinung: „The Attic Empire. The Athenians and their Allies in the Fifth Century“

Druckfrisch liegt nun ein umfassendes Handbuch zur Geschichte des attischen Seebunds – The Attic Empire. The Athenians and their Allies in the Fifth Century – vor, herausgegeben von unseren TRANSMARE-Mitgliedern Frank Daubner, Patrick Reinard und Christian Rollinger.

Die bei De Gruyter Brill erschienene Publikation widmet sich der politischen Formation des Delisch-Attischen Seebunds, der 478 v. Chr. unter Führung Athens gegründet wurde und bis zu seinem Ende im Zuge des Peloponnesischen Krieges die politische Landschaft des 5. Jahrhunderts v. Chr. maßgeblich prägte. Versammelt werden Beiträge eines internationalen Autor*innenkreises für einen systematischen Überblick über zentrale Themenfelder – von literarischen und epigraphischen Quellen über geopolitische Rahmenbedingungen und historische Entwicklungen bis hin zu ökonomischen und politischen Machtstrukturen, gesellschaftlichen und kulturellen Dynamiken sowie den Beziehungen zu externen Akteuren. Auch antike Wahrnehmungen und spätere Rezeptionsweisen des attischen Imperiums werden berücksichtigt.

Mit seinem breiten thematischen Zugriff stellt der etwa 700 Seiten umfassende Band ein maßgebliches Nachschlagewerk für die Altertumswissenschaften dar und bietet zugleich wichtige Impulse für die vergleichende Imperienforschung.

ISBN 9783111019154 | https://doi.org/10.1515/9783111025605

Herausgeber: Frank Daubner, Patrick Reinard und Christian Rollinger

Autor*innen: Sulochana Asirvatham, Matteo Barbato, Christiane Braun, Frank Daubner, Julian Degen, Alberto Esu, Julia Hackhofer, Moritz Hinsch, Hans Kopp, Rebecca Kreßner, Leah Lazar, Polly Low, Kathryn Lomas, Franziska Luppa-Heida, Manolis Manoledakis, Daniela Marchiandi, Manuela Mari, Sabine Müller, Sophie Mills, Maria Osmers, Simone Oppen, Bjørn Paarmann, Frances Pownall, Patrick Reinard, Christian Rollinger, Alexander Rubel, Brian Rutishauser, Julia Wilker, Pascal Warnking, Matteo Zaccarini, Michael Zerjadtke

Willkommen an Bord: Aktuelle Jeanne-Baret-Stipendiatinnen

Wir freuen uns sehr, unsere neuen Jeanne-Baret-Stipendiatinnen Cassandra Dostert, Harriet McKinley-Smith und Eleonora Selvi bei uns am TRANSMARE-Institut begrüßen zu dürfen.

v.l.n.r.: Cassandra Dostert (Doc), Eleonora Selvi (PostDoc) und Harriet McKinley-Smith (PostDoc)

Bei einem Auftakttermin mit allen dreien zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit standen neben organisatorischen Informationen vor allem das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt. Unsere aktuelle Kohorte erhielt zudem bei einer Campusführung einen ersten Überblick über zentrale Orte des universitären Lebens in Trier und wichtige Anlaufstellen für unsere Forschenden.

Im weiteren Verlauf besuchten die Stipendiatinnen die Sprecher*innen von TRANSMARE und erhielten Einblicke in die Struktur und Arbeitsweise des Instituts sowie in laufende Projekte und Kooperationsmöglichkeiten. Das Onboarding bot damit nicht nur Orientierung im universitären Alltag, sondern auch Raum für erste Gespräche und Vernetzung innerhalb des Instituts.

Wir freuen uns sehr, Harriet McKinley-Smith, Eleonora Selvi und Cassandra Dostert bei TRANSMARE begrüßen zu dürfen und wünschen ihnen eine inspirierende und produktive Zeit in den kommenden Monaten in Trier!

„Männliche Mobilität, weibliche Handlungsmacht“ – Neuerscheinung in der TRANSMARE-Schriftenreihe

Mit Männliche Mobilität, weibliche Handlungsmacht. Soziale Organisation und ökonomische Praxis an der Ostadriaküste in hellenistischer und römischer Zeit ist eine neue Monografie in der TRANSMARE-Schriftenreihe bei De Gruyter Brill erschienen. Der von Rebecca Kreßner publizierte Band geht auf ihre Dissertationsschrift zurück, die sie bei Frank Daubner verfasst und im Februar des vergangenen Jahres erfolgreich an der Universität Trier verteidigt hat.

Ausgangspunkt der Studie ist die zentrale sozialhistorische Frage: Wie organisierten sich Familien und Haushalte in Gesellschaften, in denen Männer häufig über längere Zeiträume unterwegs waren – etwa im Krieg oder auf See? Und welche sozialen und wirtschaftlichen Handlungsspielräume eröffneten sich Frauen in dieser Situation?

Im Fokus der Untersuchung stehen die Völkerschaften der östlichen Adriaküste – in Epirus, Illyrien und Liburnien – vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. Auf der Grundlage von Freilassungs- und Grabinschriften, Orakeltafeln sowie literarischen Quellen untersucht Kreßner Haushaltsstrukturen, Heiratsmuster, Eigentumsverhältnisse und Geschlechterrollen. Besonderes Augenmerk gilt dem Zusammenspiel von männlicher Mobilität und weiblicher Handlungsmacht sowie den Formen von Familienorganisation, die sich jenseits griechisch-römischer Normvorstellungen entwickelten.

Mit ihrem interdisziplinären Zugriff auf epigraphische, literarische und ethnologische Vergleichsquellen eröffnet die Studie neue Perspektiven auf die Sozial- und maritime Kulturgeschichte des westlichen Balkanraums. Als Band der Reihe TRANSMARE | Maritime Studies verbindet sie sozialhistorische Fragestellungen mit Ansätzen der maritimen Mobilitätsforschung und eröffnet neue Perspektiven auf familiäre Alltagswelten im westlichen Balkanraum.

Schlagwörter: Adria; Epigraphik; Geschlechtergeschichte; Sozialgeschichte | Copyright: 2026 | Preis: 64,95 € | https://doi.org/10.1515/9783112215234 | eBook ISBN: 9783112215234 | Gebunden ISBN: 9783111561318

Jeanne Baret Anschubstipendien: Aktuelle Ausschreibung – Fristende: 15.03.26

Das TRANSMARE-Institut vergibt gemeinsam mit dem Forschungszentrum Europa zweimal jährlich aus Mitteln der Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz 2024-2028 im interdisziplinären Verbundprojekt „Maritime Transfers“ aus dem Jeanne Baret-Förderfonds Anschubstipendien für Nachwuchswissenschaftlerinnen, die sich schwerpunktmäßig mit dem maritimen Raum und seinen Akteur*innen beschäftigen.

Gezielt gefördert werden Wissenschaftlerinnen am Übergang zur nächsten Qualifikationsstufe, der häufig mit hohem zeitlichen und finanziellen Druck verbunden ist. Das Stipendium dient der finanziellen Unterstützung in Vorbereitung eines Stipendien- oder Drittmittelantrags zur Förderung der anstehenden wissenschaftlichen Qualifikationsphase. Ziel des Jeanne Baret-Förderfonds ist, angehende (Post-)Doktorandinnen zu unterstützen und dem „Drop-Out“ hochqualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen entgegenzuwirken.

Die Frist der aktuellen Ausschreibung endet am 15. März 2026.

Weitere Informationen finden sich hier.

Erfolgreiche Verteidigung: Gratulation, Florian Feil!

Unser TRANSMARE-Mitglied Florian Feil hat am Donnerstag, den 26. Februar 2026, erfolgreich seine Dissertation verteidigt.

Die Arbeit mit dem Titel „Akteure in der Expansion – Italiker und Römer in Illyrien und Epirus bis Augustus“ untersucht aus einer akteurszentrierten Perspektive die römische Expansion im Raum von Adria und ionischem Meer. Im Fokus stehen die in Illyrien und Epirus aktiven Römer, deren Handeln zwischen lokalen Kontexten und überregionalen, insbesondere maritimen Netzwerken verortet wird.

Nicht nur in fachlicher Hinsicht war die Disputatio ein großer Erfolg, sondern auch in ihrer Resonanz: Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter des Nachwuchswissenschaftlers waren anwesend und unterstrichen die Bedeutung dieses Meilensteins. In der Bibliothek der Alten Geschichte wurde im Anschluss bei einem liebevoll gestalteten Buffet und ausgelassener Stimmung feierlich angestoßen.

Auch das TRANSMARE-Institut gratuliert herzlich zu diesem Erfolg!

Post-Doktorand*innen-Kolloquium im WS 25/26

Am Donnerstag, den 12. Februar 2026 kamen für das Post-Doktorand*innen-Kolloquium des TRANSMARE-Instituts Nachwuchswissenschaftler*innen sowie interessierte Gäste in Raum C04 zusammen. Die halbjährig stattfindene Veranstaltung versteht sich als Forum, in dem maritime Forschungsthemen sowie methodische und theoretische Zugriffe über die Einzeldisziplinen hinaus in kollegialer Atmosphäre geschärft und weiterentwickelt werden können.

Eleonora Selvi, aktuelle Jeanne Baret-Stipendiatin und Initiatorin des Kolloquiums in diesem Wintersemester (2025/26), hatte ein inhaltlich breit gefächertes Programm zusammengestellt:

Wir danken allen Teilnehmenden und besonders den Vortragenden – Hailian Chen, Max Fiederling, Adrian Masters, Philip Post und Katharina Zerzeropulos – für ihre engagierten Beiträge und die Einblicke in akuelle Projekte aus der maritimen Forschung!

Vortrag von Thomas Dehling (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie)

Im Rahmen der TRANSMARE-Vortragsreihe war am Mittwoch, den 21. Januar 2026, Thomas Dehling vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zu Gast in Trier. Sein anschaulicher Vortrag „Der Schlüssel zum Meer – vom Hören der Tiefe bis zur dynamischen Seekarte“ bot dem Publikum einmalige Einblicke in die konkreten Aufgabenbereiche und die tägliche Arbeit des BSH – mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Hydrographie.

Zentraler Bestandteil des Vortrags war die Vorstellung der hydrographischen Messverfahren und der dafür eingesetzten Geräte. Anhand zahlreicher Beispiele wurde gezeigt, wie Tiefen vermessen, Wracks lokalisiert und verlässliche Datengrundlagen für die sichere Schifffahrt geschaffen werden. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Messschiffe des BSH, deren Flotte von fünf multifunktionalen Schiffen ebenfalls vorgestellt wurde. Dabei wurde auch thematisiert, wie stark die Arbeit auf See von den jeweiligen Meeresverhältnissen geprägt ist und wie unterschiedlich sich Nord- und Ostsee in dieser Hinsicht darstellen.

Über die reine Vermessung hinaus zeigte der Vortrag eindrucksvoll, wie eng technische, ökologische und zeitliche Dimensionen miteinander verflochten sind: So wurde etwa thematisiert, dass Offshore-Windanlagen aufgrund von Erosionsprozessen nur eine begrenzte Lebensdauer von rund 25 Jahren haben, während sich zugleich neue maritime Lebensräume entwickeln – etwa wenn Dorsche Schutz in Wracks suchen oder sich Fischpopulationen innerhalb von Windparks ansiedeln. Der Vortrag machte damit deutlich, wie sehr hydrographisches Wissen eine Schlüsselstellung zwischen maritimer Nutzung, Sicherheit und ökologischer Verantwortung einnimmt. Herr Dehling, wir danken Ihnen sehr für Ihren Besuch, die Einblicke und den produktiven Austausch!