Einblicke in die Praxis

Nachfolgend finden sich exemplarische Projekte und Erfahrungen aus den Reihen der TRANSMARE-Mitglieder und -Stipendiat*innen.

Penser le Maritime – Vortrag an der Université Le Havre und Ausflug ins Marine Museum in Paris

Zum Jahresbeginn 2026 erhielt die Jeanne-Baret-Stipendiatin und Doktorandin Cassandra Dostert die Möglichkeit, im Rahmen eines Masterseminars an der Universität Le Havre in der Normandie einen aktuellen Beitrag aus ihrer Forschung vorzustellen. Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Dozentin, Prof. Dr. Isabelle Laboulais (Université de Strasbourg), kontextualisierte sie vor interessierten Studierenden und Doktorand*innen nicht nur eine ihrer Fallstudien, die seefahrende Rose de Freycinet (1794–1832), sondern verortete diese zugleich im Thema des Seminars Penser le Maritime. Ziel der Analyse war es, die handschriftlichen Briefe der jungen Kapitänsfrau aus dem frühen 19. Jahrhundert daraufhin zu untersuchen, wie sie das Leben an Bord erlebt und ihrer Mutter beschreibt. Darin erscheint der Ozean zugleich als Raum der Bewegung und Begegnung, der allerdings auch Gefahr in sich trägt. Für Rose de Freycinet wird das Schiff darüber hinaus zum widersprüchlichen Schauplatz weiblicher Erfahrung: Es bietet Teilhabe am Forschungsunternehmen, aber auch Enge, Abhängigkeit und soziale Isolation.

Der Vortrag zeigte die vielfältigen Analysemöglichkeiten auf, die die Ego-Dokumente von Rose de Freycinet eröffnen, und regte zu weiterführenden Recherchen an. Er gilt zugleich als Auftakt zum kürzlich erschienenen gemeinsamen Aufsatz beider Referentinnen in der 1. Ausgabe 2026 der Annales historiques de la Révolution française.

Die Reise bot außerdem Gelegenheit, auf dem Rückweg in Paris die seit 2023 wiedereröffnete Dauerausstellung des Musée National de la Marine sowie die Sonderausstellung Magellan, A Journey That Changed the World zu besichtigen. Mit Liebe zum Detail und einem breiten pädagogischen Angebot für alle Altersstufen wurde hier eine neue Ausstellung konzipiert, die die wichtigsten Etappen der französischen Marinegeschichte eindrucksvoll und inklusiv darstellt.

Dass dabei nicht alle Themenfelder abgebildet werden können, zeigt sich etwa an der nur randständigen Behandlung zentraler maritimer Fragen wie Expeditionen, postkolonialer Aufarbeitung oder Frauen im maritimen Kontext – ein Umstand, der umso deutlicher die Relevanz von Dosterts Promotionsprojekt zur Rolle von Akteurinnen im Umfeld französischer Expeditionsfahrten von 1760 bis 1830 unterstreicht.

Der Aufenthalt in Le Havre und Paris bot damit einen Einblick in die zahlreichen Vernetzungs- und Kooperationsmöglichkeiten junger Nachwuchswissenschaftler:innen, die vom TRANSMARE-Institut bestärkt und gefördert werden.


Beispielprojekt: Unterwasserarchäologische Untersuchungen in Tunesien

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Institut National du Patrimoine, der Universität Trier sowie der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie fand vom 3. bis 8. Juli 2023 unter der Leitung der Abteilung für Unterwasserarchäologische Studien des INP eine erste wissenschaftliche Mission zur wissenschaftlichen Untersuchung der Hafenlandschaft der antiken Stadt Sullecthum (heute Stadt Salakta-Mahdia) in Tunesien statt. Die Leitung der Kooperation obliegt auf Seiten des INP Ahmed Gadhoum sowie in Hinblick auf die Beteiligung der Universität Trier und BGfU unserem TRANSMARE-Mitglied Max Fiederling (Gruppenbild unten, ganz links).

Die Feldarbeiten fanden um den 6. Juli statt und konzentrierten sich auf die Begutachtung und Bewertung des aktuellen Zustands der Hafenlandschaft und ihrer Komponenten an Land und im Meer.

Das wissenschaftliche Programm des zwischen den Institutionen unterzeichneten Abkommens sieht in Zukunft eine Untersuchung der Hafenanlagen, systematische Prospektionen, Ausgrabungen und Restaurierungen vor, um die Überreste der Meeresfassade dieser antiken Stadt zu erschließen.

TRANSMARE-Stipendiat Dennis Joch unterstützte das Projekt drei Monate lang in Trier (2024)