In den Zwischenräumen der Imperien: Flämische und italienische Kaufleute in der iberisch-atlantischen Welt des 17. Jahrhunderts

Wer sich eine komfortable Marktnische aufgebaut hat, tut sich schwer, sich an ein neues Umfeld anzupassen. Genau das widerfuhr den flämischen und italienischen Händlern, die im Laufe des 16. Jahrhunderts vom Aufstieg der spanischen und portugiesischen Kolonialreiche profitiert und eine enge, für beide Seiten vorteilhafte Beziehung mit ihnen aufgebaut hatten. Doch als im darauffolgenden Jahrhundert die iberische Vorherrschaft im Überseehandel durch neue Konkurrenten ins Wanken geriet und die Strukturen des habsburgischen Systems durch Kriege, Aufstände und wirtschaftliche Krisen geschwächt wurden, geriet auch das Geschäft dieser Händler unter Druck.

In einer merkantilistischen Welt, in der viele europäische Staaten versuchten, eigene Kolonialreiche zu gründen, schienen diese Zwischenhändler strukturell im Nachteil: im Gegensatz zu ihren nördlichen Nachbarn konnten die Südlichen Niederlande keine eigenen Kolonien gründen, ebenso wenig wie die Genuesen oder Toskaner. Dennoch verfügten sie über einige Wettbewerbsvorteile: ein relativ gutes Kapitalangebot und Know-how, einige spezialisierte Industrien, einen lebendigen Absatzmarkt für Kolonialwaren, sowie enge Beziehungen zu den spanischen Habsburgern und eine neutrale Stellung, die sie als wenig bedrohlich erscheinen ließ. Dank unterschiedlicher Strategien gelang es einigen von ihnen, selbst in schwierigen Zeiten erfolgreich zu bleiben.

Diese Forschung stützt sich vor allem auf die privaten Archive von einigen flämischen und Italienischen Firmen: Briefe und Geschäftsbücher, notarielle Aufzeichnungen und Verträge – aus Städten von Neapel bis Antwerpen – werden zeigen, wie sehr der Aufbau der atlantischen Welt das europäische Hinterland geprägt hat.